Ein guter Change braucht einen guten Impuls - Warum? - Dr. Kraus & Partner

Dass der Mensch am liebsten bleiben will, wie er ist, ist hinlänglich bekannt. Trotz Darwin, seiner These von der Notwendigkeit eines steten Wandel und seiner selektiven Evolution. Auch zum Trotz gegenüber einer unumstrittenen Tatsache eines nicht existierenden Stillstandes. Alles bewegt sich. Deshalb ist Bewegung Leben und Leben ist Bewegung. Bewegung wiederum ist Veränderung.
Der Grad eines komplexen Widerspruchs lässt sich leicht erhöhen, wenn man – mit Mikrofon und Kamera ausgestattet – auf Meinungsforschung geht. Gefühlte 80% aller Menschen behaupten nichts gegen Veränderungen zu haben. Allerdings unter der Voraussetzung, dass sie ihre Gewohnheiten und ihre im Mantel der Nostalgie eingehüllten Denkmuster beibehalten können. Das ist keineswegs rational, entspringt auch nicht den Grundsätzen der Logik, ist dafür aber menschlich.

Alles geht gut, bis einer sagt, wie es besser geht

„Wer will, aber nicht kann, dem wird geholfen. Wer nicht will, darf gehen!“ Der CEO eines bedeutsamen Konzerns hatte sich bereits mehrere Auszeichnungen als Top-Manager und Manager des Jahres verdient gemacht, als ihn diese Worte verließen. Still wurde es in der Halle mit 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des oberen Managements, als er die Maßnahmen verkündete, die notwendig gewesen sein sollten, um das 60.000 Seelen zählende Unternehmen einer Restrukturierung zu unterziehen. Neue, dynamische Prozesse und eine neue Kultur hatte er eingefordert. Das Wachstum der vergangenen Jahre hatte sich gefährlich verlangsamt und die Effektivität der Organisation in Frage gestellt.

Von da an waren Boykott und Verweigerung zwecklos. Erst recht Besserwisserei, die den Leitsatz, man mache das schon immer so, zu rechtfertigen suchten. Auch das Peter-Prinzip hatte ausgespielt. Wer den Change nicht als Chance erkennen wollte, ging, und wer doch wollte, blieb, lernte sein Denken funktionsgerecht zu erweitern und verweilt wahrscheinlich noch heute dort, in einer höheren Position und einem besseren Gehalt, das ihm der aufoktroyierte Change möglich gemacht hatte.

Tatsachenbefund: Nur jeder Fünfte ist offen für einen Change

Wenn aber die üblichen Motivationsschübe Gehalt und Karriere als Ansporn einer Veränderung nicht ausreichen und es an natürlichen Veränderungsimpulsen wie Schmerz und Leid fehlt, verlangt der Mensch zu verstehen, warum er seine Denkart und sein Handeln verändern soll. Das gilt insbesondere dann, wenn sich ein Unternehmen in einer Sanierung befindet. Meiner Empirie als Restrukturierungsspezialist zufolge treten demnach

  • 50% in den sofortigen Widerstand, wenn es um Change geht.
  • 30% zögern und geben vor, zu Hause, in gewohnter Umgebung, darüber diskutieren zu wollen; die Antwort wird es morgen geben.
  • 20% der Betroffenen ist diskussions-, aber nicht gedankenlos mit (fast) allem einverstanden.

Mit wohlmeinenden Impulsen den individuellen Wandel forcieren

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. (Wolf Biermann)

Wer Anreize streut und als Adressat lediglich auf Funktionen und Positionen setzt, wird im Zuge besinnlicher Momente früher oder später auf Widerstand stoßen. Da jeder berufliche Change auch mit einem persönlichen einhergeht, ist es daher notwendig, den Menschen als solchen zu erreichen und zwar mit Empathie. Denn was früher noch hinter einer grimmigen Visage und einer unausgesprochenen Drohung wie „Friss, oder stirb!“ funktionieren mochte, wird heute mit einem „Warum“ reflektiert. Man will verstehen, auch wenn sich Fähigkeiten des Verstehens auf ganz unterschiedliche Level wiederfinden lassen. Das Loslassen alter Strukturen und das sich Öffnen für Neues kann durch folgende, im Schaubild festgehaltene Vorteile plausibilisiert werden.

Ein guter Change braucht einen guten Impuls - persönlich vs. beruflich Schaubild - Dr. Kraus & Partner

Es ist auch kein Geheimnis mehr: Wenn Führung auf den Grundsäulen der erfolgsrelevanten drei V´s (Vertrauen, Vorbild, Verantwortung) aufgebaut ist, fällt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leichter, sich neuen Prozessen, neuen Aufgaben, Ideen und Leitsätzen zu nähern und sich mit ihnen zu identifizieren. Ein wesentlicher Aspekt in Zeiten, in denen die Ausübung eines Berufes zunehmend mit ideologischen Werten behaftet ist.

Wenn sich die Streu vom Weizen trennen will

Schopenhauer hat sich bereits über den freien Willen ausgelassen. Die Entscheidung, an einem sonnigen Tag den schwarzen, statt den blauen Anzug zu tragen, fällt nicht darunter. Wohl aber den Mut zu fassen, Veränderungen in sich zuzulassen, auch wenn der entscheidende Impuls hierfür von außen kommt. Auch das Nein unterliegt dem freien Willen.

Besagter CEO hatte sich wohl die sich ständig verändernde Natur oder die sich stets anpassende Tierwelt zum Vorbild gemacht. Dort verweilt die Herde nicht an halb-versiegten Tränken. Das Alphatier sucht nach fließendem Wasser, macht sich auf, neues Land zu entdecken und zeigt den Weg auf, weil es die Aufgaben übertragen bekommen hatte das Wachstum und somit die nachhaltige Existenz zu sichern. Das ist der Impuls!

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Autor*in dieses Artikels

  • "Ralph ist unser Anstifter im besten Sinne: Voller Energie bringt er mit hohem Tempo Themen voran. Problemsituationen im Kontext Turnaround und Restrukturierung schrecken Ralph nicht ab – im Gegenteil: Herausforderungen spornen ihn an."