Agile Haushaltsführung - Boden wischen - Dr. Kraus & Partner Blog

Unsere Expertin Daniela Pfarr hat eine absolut zündende Idee gehabt, wie sie die wirksamen agilen Prinzipien auch auf das Privatleben übertragen und damit auf ganzer Linie gewinnen kann. Vielen Dank für den Impuls, liebe Dani!

„Agile Haushaltsführung“, oder wie man dem Chaos im Alltag mit Job und pubertierenden Teenagern Herr wird…

„Äh sorry, hab ich vergessen“, „Nee, aber mach ich gleich“, „Chill mal, ich wusste gar nicht das ich das machen soll“

Sätze, die jeder kennt der in einem Haushalt mit arbeitenden Erwachsenen und Kindern ü12 lebt. So oder so ähnliche Aussagen fallen gefühlt tausendfach. Zurück bleibt meist ein frustriertes Gefühl bei allen Beteiligten. Auf der einen Seite der gestresste Erwachsene, der immer wieder in seiner Annahme bestätigt wird, dass nichts läuft, wenn er nicht ständig nachhakt, auf der anderen Seite, der genervte Jugendliche, der immer wieder daran erinnert wird, dass er seine Aufgaben nicht zuverlässig erledigt und mit der Aussage konfrontiert wird, „er sei jetzt langsam auch mal alt genug, sich selber um seine Sachen zu kümmern“, na dann….

Wirklich zielführend waren zumindest bei uns (zwei voll arbeitende Erwachsene und zwei voll pubertierende Teenager) diese Unterhaltungen nicht. Am Ende blieb das „und täglich grüßt das Murmeltier“-Gefühl und wirklich funktioniert hat die Aufgabenteilung nicht.

Vor einiger Zeit dann habe ich mir die Frage gestellt, ob das was beruflich funktioniert nicht auch privat anwendbar ist. Wenn ich als Agile Coach in Unternehmen Veränderungen begleite und immer wieder die Erfahrung mache, dass Eigenverantwortung, kurze Projektumsetzungsphasen, Review, Retro und situative Führung echte Erfolgsgaranten für motivierte und zufriedene Mitarbeiter bei zielführenden und synchronisierten Arbeitsabläufe sind, warum dann nicht auch zu Hause?

Ein Versuch war es wert, denn ehrlicherweise, schlechter konnte es nicht werden. In meiner Rolle als Familien-PO habe ich also mal das komplette „Haushalts-Spektrum“ in User-Stories formuliert. Ein kleiner Auszug: Tisch decken Frühstück, Tisch decken Mittagessen (nur am WE), Tischdecken Abendbrot, Tisch abdecken, Geschirrspülmaschine einräumen, Geschirrspülmaschine ausräumen, Klopapier auffüllen, Schuhe in`s Schuh-Regal sortieren, Auffahrt fegen (2x pro Woche), Müll raus bringen (täglich)… Das Schreiben der User-Stories machte mir auch wirklich nochmal die Komplexität eines Haushalts klar.

Einen Sprint haben wir auf eine Woche festgelegt. Sonntags nach dem Frühstück gingen wir in die Sprintplanung. Großes Gemecker, „Was soll`n das?“, „Hast du grad keinen Job bei dem du die Menschen nerven kannst?“ „Da mach ich nicht mit!“ An dieser Stelle sei kurz gesagt: Das ist ein fantastisches Führungstraining! Wer Veränderung anstößt, muss den Widerstand aushalten! Ein paar erklärende Worte und die Aussicht, je besser alle mitmachen umso schneller sitzen sie an der Playstation, haben gereicht. Die Aufgaben wurden verteilt, nicht unbedingt nach Interessen-und Kapazitätenberücksichtigung, sondern getrieben von der Motivation es „hinter sich zu bringen“, der erste Sprint war geplant.

Am nächsten Sonntag fand dann unsere erste Retro statt:

Was hat funktioniert? Wenig! Warum? – Was hat nicht funktioniert? Viel! Warum?

Es fielen das erste Mal Sätze wie: „Ich hasse es die Geschirrspülmaschine auszuräumen und darum mache ich es nicht!“ Ich würde viel lieber die Wäsche sortieren, geht das? Können wir tauschen?“ Ernsthaft wichtige Erkenntnisse!

Die Aufgaben wurden neu verteilt, der nächste Sprint, es wurde besser! Nach ca. 3 Wochen hatte jeder die Aufgaben, die ihm wirklich leicht fielen. Gleichzeitig ist unser Sprintbacklog gut sichtbar an der Wand im Esszimmer, so dass jeder regelmäßig an seine Pflichten erinnert wird und auch sieht, was die anderen schon erledigt haben.

Im Sprint Nummer vier hörte ich das erste Mal meinen Sohn sagen:

“Wenn hier einfach jeder mal gleich seine Schuhe wegsortieren würde, müsste ich nicht täglich das Schuh-Regal aufräumen (mein Gedanke: „welcome to my life…“), dann hätte ich auch Zeit die Auffahrt zu fegen!“ (mein Gedanke: „ok, jetzt wird es produktiv…“).

Unsere agile Haushaltsführung betreiben wir nun seit einigen Monaten. Der wöchentliche Austausch und die Sprintplanung auf Augenhöhe sorgen für ein gutes Gefühl von Wertschätzung und ernst genommen werden bei allen Familienmitgliedern. Die Kinder empfinden es als sehr angenehm, selbstbestimmt entscheiden zu können, welche Aufgaben sie übernehmen wollen und können. Mittlerweile werden auch Hindernisse klar formuliert: „In der nächsten Woche stehen 3 Klausuren, ein Referat, eine Geburtstagseinladung und ein Tennisturnier an, diese Woche schaffe ich es nur den Müll raus zu bringen…“

Ein Fazit für die agilen Prinzipien in der Haushaltsführung

Es läuft nicht immer perfekt, oft sind es zu viele Aufgaben, als das sie alle erledigt werden können, aber so gut wie jetzt lief es noch NIE!!!

Jetzt bleibt mehr Zeit für die Dinge, die Spaß machen :-)

➡️ Weitere Infos zu unserer Beratunsleistung, sowie unseren Trainings, Coachings und Ausbildungen im Bereich Agilität finden Sie auf unserer Webseite. 

Autor*in dieses Artikels

  • "Daniela ist bei uns im Team die „Konflikt-Versteherin“ und empathische Strategin. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf den Herausforderungen der agilen Transformation, und der Verhaltensänderung der Menschen, die es in diesem Kontext braucht."